DIE INSZENIERUNG DER EINSAMKEIT IN PERFEKTER ORDNUNG

Was auf den ersten Blick wie ein ruhiges Panorama wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen eine absurde, fast surreale Komposition: Hunderte Skifahrer ziehen scheinbar geordnet ihre Spuren durch den Schnee. Doch diese Ordnung ist kein Zufall - sie ist konstruiert. Mit chirurgischer Präzision schneide ich die Skifahrer aus zusätzlichen Aufnahmen heraus und integriere sie in das Panorama. Jeder Eingriff ist bewusst gesetzt,jedes Detail Teil einer neuen Ordnung.


“DIE MAGISCHEN 500”

Dieses Bild entstand auf der Zugspitze und setzt sich aus 503 Einzelaufnahmen zusammen, die zu einem extrem hochauflösenden Panorama im Format 100 x 200 cm verschmolzen wurden. Es war das allererste Werk der Serie Lift.11 und damit der Ausgangspunkt für alles, was danach kam. 2011 begann hier die Idee, Realität so weit zu verändern, bis sie fast unwirklich wirkt. Die Struktur im Schnee, die Ordnung in der Masse und die Ruhe der Landschaft stehen in einem spannenden Gegensatz. Für mich ist dieses Bild bis heute etwas Besonderes, weil es nicht geplant war, sondern einfach passiert ist. Der Moment, an dem aus einem Versuch eine ganze Serie wurde.

“DIE GEZUCKERTE SPEICHERSEE”

Dieses Panorama aus Sölden besteht aus 388 Einzelbildern und zeigt eine surreale Winterlandschaft im gleißenden Licht. Der Schnee wirkt wie mit Puderzucker bestäubt, fast zu sauber, um echt zu sein. Das Licht hat die Konturen weichgezeichnet und der Speichersee liegt still in der Fläche. Für mich ist dieses Bild eines der ruhigsten der gesamten Serie. Alles wirkt entschleunigt, fast eingefroren. Genau diese Stimmung hat mich an diesem Moment tief berührt. Es ist eines meiner persönlichen Lieblingsbilder.

“DIE REISE DER PINGUINE”

Dieses Bild ist im schönen Zermatt aufgenommen, und setzt sich aus 355 Einzelaufnahmen zusammen. Eine lange, gleichförmige Linie von Skifahrern zieht sich durch die Landschaft ins Tal. Alle bewegen sich im gleichen Rhythmus, im gleichen Abstand, ohne auszubrechen. Genau deshalb der Titel „Die Reise der Pinguine“. Es wirkt fast wie eine Formation in der Antarktis, nicht wie ein Skigebiet in den Alpen. Die Linie gibt Sicherheit, aber sie nimmt auch Individualität. Wer sie verlässt, fällt sofort auf.

“DER FUNNEL”

Der Funnel entstand in Hochfügen und besteht aus 334 Einzelbildern, die zu einem großen System zusammengeführt wurden. Die Skifahrer sind bewusst trichterförmig angeordnet, sodass eine klare Bewegung nach innen entsteht. Alles fließt in eine Richtung, fast wie Wasser in einem Abfluss. Trotz der Weite der Landschaft entsteht das Gefühl von Enge und Verdichtung. Genau dieser Widerspruch hat mich gereizt. Unendlicher Raum und trotzdem kollektive Ordnung. Der Himmel darüber wirkt fast zu schön für das, was darunter passiert.

“PISTENBULLY BALLETT”

Das Werk „PistenBullyBallett“ entstand in Hochfügen im Zillertal und zeigt einen langgezogenen Ziehweg im hochalpinen Raum. Mehrere Pistenraupen sind bewusst multipliziert dargestellt und erzeugen den Eindruck serieller Wiederholung. Diese visuelle Vervielfältigung verwandelt die Maschinen in grafische Elemente innerhalb der Landschaft. Das extreme Gegenlicht lässt den Schnee nahezu weiß glühen und betont die außergewöhnliche Schärfe der Aufnahme. Die Fernsicht reicht weit über das Skigebiet hinaus und öffnet den Blick auf die umgebenden Bergketten. Trotz der technischen Eingriffe wirkt die Szene ruhig und geordnet. Das Bild thematisiert das Zusammenspiel von menschlicher Kontrolle und alpiner Weite.

“DIE KURVE”

An diesem Tag schien die Zugspitze endlos weit und fast menschenleer. Und dann gibt es plötzlich diese eine Kurve, in der sich hunderte Skifahrer sammeln. 288 Einzelbilder bilden diese verdichtete Bewegung ab, während ringsum absolute Leere herrscht. Es ist ein Bild über Anziehung, über Kontrolle und über das Bedürfnis, sich einer Linie unterzuordnen. Niemand fährt allein, alle folgen derselben Spur. Diese Kurve ist wie ein unsichtbarer Magnet im Weiß der Berge. Ein Ort, an dem Masse entsteht, obwohl genug Platz für alle da wäre.

DER EWIGE GLETSCHER

Aufgenommen in Zermatt, zusammengesetzt aus 255 Einzelbildern. Im Vordergrund öffnet sich eine Gletscherspalte, deren tatsächliche Tiefe man nicht erahnen kann. Als ich dort stand, konnte ich nicht einschätzen, wo genau die Spalte beginnt. Das Bild wirkt ruhig, fast friedlich – und ist gleichzeitig hochgefährlich. Genau dieser Gegensatz fasziniert mich bis heute. Die Berge wirken ewig, stabil und unverrückbar. Doch unter der Oberfläche ist alles in Bewegung.

“DAS! MATTERHORN”

Dieses Panorama entstand aus 180 Einzelbildern bei absoluten Traumbedingungen. Vor mir ragte die gewaltige Felswand des Matterhorns fast 1800 Meter in die Höhe. Selbst wenn man diesen Berg schon tausendmal gesehen hat, verliert er nichts von seiner Wirkung. Er steht da wie ein Monument, vollkommen unbeirrbar. Vielleicht ist es tatsächlich der schönste Berg der Welt. An diesem Tag war alles perfekt: Licht, Luft, Weite und Stille. Ein Moment, den man nicht planen kann.

“GROSSGLOCKNER”

Dieses Motiv setzt sich aus 133 Einzelaufnahmen zusammen und zeigt die Region rund um den höchsten Berg Österreichs. Die Landschaft wirkt fast unwirklich klar und ruhig. Der Schnee zeichnet jede Kante nach, jede Linie wird sichtbar. Trotz der gewaltigen Dimensionen entsteht eine überraschende Leichtigkeit. Für mich ist dieses Bild ein stilles Porträt eines Giganten. Kein Drama, kein Spektakel – nur Präsenz. Genau darin liegt seine Stärke.

“HEILIGENBLUT”

240 Einzelbilder verdichten sich hier zu einer einzigen, überfüllten Linie im ansonsten unberührten Weiß. Der Andrang auf dieser Piste wirk extrem, fast surreal. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen verirrten sich aber nur ab und an ein Skifahrer. Menschen reihen und drängeln sich aneinander, als gäbe es nur diesen einen Weg. Kollektiver Wahnsinn trifft auf eine Landschaft, die eigentlich unendliche Freiheit verspricht. Genau dieser Widerspruch steht im Zentrum dieses Bildes. Natur wird zur Bühne menschlicher Rastlosigkeit. Und trotzdem bleibt die Bergwelt unbeeindruckt.

“ON THE SUNNY SIDE”

Dieses Panorama aus 198 Einzelbildern zeigt das Brixental von seiner sonnigsten Seite. Alle Skifahrer zieht es ins Licht, niemand bleibt im Schatten. Die Bergspitze in der Bildmitte hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Die Fernsicht wirkt fast grenzenlos, die Luft klar, der Himmel tiefblau. On the Sunny Side ist für mich kein Ort, sondern ein Zustand. Ein Moment, in dem alles leicht erscheint. Und in dem man vergisst, wie anstrengend der Aufstieg war.